Baby schreit – Was tun?

Babies schreien. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, aber viele Kräuter werden verkauft. in diesem Beitrag stelle ich zwei bekannte und ein vielleicht weniger bekanntes Kraut vor.

Lass es schreien!

Ganz düster ist die Idee ein Kinder alleine weinen zu lassen.  Das Kraut: Kinder schreien lassen, sie hören von selbst auf. Das „stärkt die Lungen“. Weit verbreitete Bücher wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ setzen sich für dieses Kraut ein, aber ob das Richtig ist, ist vor dem Hintergrund der Bonding Forschung zu bezweifeln. Eine Kritik findet man hier.

Die Forschung hat gezeigt: Kinder, die allein gelassen werden, wenn sie schreien, erleiden nachweisbare Schäden im Gehirn. Dass sie ruhig werden stimmt, denn sie geben auf. Was dann?

Gib ihm Medizin!

Weniger aber immerhin düster ist der Mythos der Bauchschmerzen. Kraut: Die Erklärung, dass es eine 3 Monate Kollik ist. Es ist die Verdauung. Das Kind muss den Darm entwickeln. Verabreiche Medizin, das wird die Gase binden und weniger Bauchschmerzen verursachen.

Wir Menschen sind unterentwickelt, weil wir drei Monate zu früh geboren werden. Der Grund: wir sind aufrecht laufende Affen und die Evolution hinkt hinterher. Das stimmt, aber warum schreien europäische und nordamerikanische Babies und warum ist das Phänomenon in Afrika und Asien kaum bekannt? Studien haben gezeigt, dass Babies, die schreien, oft keine Kolliken haben. Der Bauch ist in Ordnung. Dass es der Pharmaindustrie hilft Monatsportionen für Rund 10€ zu verkaufen, ist etwas bedenklich. Dennoch: Bleiben Sie kritisch und fragen Sie ihre Hebamme, ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie Medizin verabreichen. Was soll ich denn dann machen?

Begleite das Weinen?

Das Baby schreit. Man hält es in den Armen, trägt es, singt, und verabreicht vielleicht Medizin. Was tun? Kraut: Es hilft die Grundbedürfnisse abzudecken, wie Stillen/Füttern, Wickeln, Bäuerchen (auch beim Stillen), Schlafen, Kuscheln. Wenn das Kind dann noch schreit, am Besten noch einmal Windel checken und Essen anbieten. Wenn es weiter schreit, nun, es gibt eine alternative Methode: „begleitendes Weinen“.

Begleitendes Weinen wird mit der amerikanischen Psychologin Dr. Solter in Verbindung gebracht. Die Idee ist, dass wenn die Grundbedürfnisse gestillt werden, man dem Baby eine sichere Umgebung und Aufmerksamkeit bietet und es weinen  lässt. Solters Forschung hat gezeigt, dass das Baby nun sich in den Armen der Eltern ausweinen kann, damit die angestauten Eindrücke des Tages (oder Tage) abbauen, und damit auf die körpereigenen Möglichkeiten zurückgreifen kann mit Emotionen umzugehen.

Statt Babies abzulenken (Schunkeln, Singen, Fön, Musik, Tragen, Autofahren, etc.), gibt man dem Baby eine sichere Umgebung die Tränen raus zu lassen. Oft bemerkt man eine Steigerung des Weinens und danach eine überraschende Wachsamkeit und Ruhe.

Wichtig beim Begleitenden Weinen ist, dass die Eltern eine sichere Umgebung bieten. Neben dem erwähnten ruhigen Raum, sollten die Eltern selbst dem Kind Stabilität geben. Es hilft, wenn man mit dem Partner Arm in Arm das Baby in den Armen hält. Wenn man ruhig bleibt. In Maßen: Augen Kontakt, paar liebe Worte, Küsschen.

Auch Erwachsene profitieren von einem guten Ausheulen in den Armen von Partnern, Freunden. Das Weinen als Erwachsener „wieder“ zu lernen ist hilfreich für Menschen, denen Sätze wie „Boys don’t cry“ und „Es ist doch halb so schlimm“ oder „Stell dich nicht so an“ in der Erziehung immer wieder vorgetragen wurden. Oft kommen wir mit dem Weinen der eigenen Kinder nicht klar, weil uns das Weinen nicht erlaubt wurde.

Alternative Sichtweisen auf Begleitendes Weinen:

Der Geburtskanal schreibt dazu ausführlich: LINK.

Hier ein Erfahrungsbericht auf Englisch.

Solter schreibt dazu in ihren Büchern ausführlicher oder kurz in einem Online Beitrag auf Deutsch.

Kritik an Solter

Ich habe einige Zeit nach wissenschaftlichen Konter-Artikeln oder Kritiken zu Solter gesucht, leider nichts gefunden. Das macht mich etwas unruhig, denn eine solche Methode mit Forschungshintergrund sollte doch aufgegriffen werden von Kollegen? Mich würden Langzeitstudien aus anderer Quelle interessieren. Falls jemand eine Quelle hat, freue ich mich über Post.

Ansonsten liest man oft in englischen oder deutschen Foren, dass Solter empfiehlt das Baby Schreien zu lassen und dabei Grundbedürfnisse zu ignorieren (Stillen/Füttern, Augenkontakt). Beim Lesen der online Primärtexte von Solter habe ich keine Stellen gefunden, die das empfehlen. Wie es mit den Büchern ist, weiß ich noch nicht. In den Online Texten jedoch findet man das Gegenteil einer solchen Empfehlung, Babies nicht zu füttern oder sie beim Weinen in den Armen sonst zu ignorieren. Solter schreibt beispielsweise hier: „Zuerst ist es wichtig zu überprüfen, ob unmittelbare Bedürfnisse und Unbehagen wie zum Beispiel Hunger oder Kälte vorliegen. Aber wenn das Baby, nachdem du seine Grundbedürfnisse erfüllt hast, noch immer unruhig ist, ist es angemessen, das Baby einfach liebevoll zu halten und ihm das Weiterweinen zu erlauben. Babys brauchen Nähe und Aufmerksamkeit, wenn sie weinen. Ein Baby sollte nie beim Weinen alleingelassen werden.“ (ebenda, online).

Fazit

Dennoch, Bauchgefühl, Elterninstinkt gehen vor jegliches Kraut, das scheinbar gewachsen ist und über Bücher, Artikel, und Pillen verkauft wird. Wie wir dank dem heutigen Forschungsstand wissen, ist Ignorieren, allein Schreien lassen, an andere Abgeben, etc. das falsche Kraut. Dies führt nicht zu starken Kindern sondern zu emotional unreifen Erwachsene, die im mildesten Fall Probleme haben, wenn jemand oder sie selbst weinen.

Babies schreien und wir als Eltern haben die Wahl für sie da zu sein.

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